kleine Stilkunde


Das Biedermeier (1815-1848) ist ein antihöfischer, bürgerlicher, im deutschensprachigen Raum vorherrschender Stil.
Das Ende der Napoleonischen Besatzung, wäre ohne Mithilfe des Volkes und eines durch Drangsalen der Besatzung entstandenen Nationalgefühls nicht möglich gewesen. Aus diesem Nationalgefühl heraus, auch durch Versprechungen des Monarchen auf Mitbestimmung durch das Volk, entstand letztlich der einheitliche Wille die Besatzung zu beenden. Die Farben der Nationalflagge Schwarz Rot Gold und die Losung Einigkeit und Recht und Freiheit entstehen in dieser Zeit. Nach dem Sieg über Napoleon und Nichteinhaltung aller Versprechungen des Monarchen dem Volk gegenüber, fand aus Enttäuschung eine politische Resignation und Rückbesinnung auf das Häusliche statt. Somit prägt die Bezeichnung Biedermeier eher eine Lebensphilosophie, die des gemütlichen, in sich gekehrten biederen Bürgertums und des Strebens nach dem "kleinen Glück". Sehr deutlich erkennen wir den Zeitgeist in den humorvollen, aber dennoch gesellschaftskritischen Bildern Carl Spitzwegs.
Namensvetter dieser Epoche war eine karikierte, zeitgenössische Gestalt "Herr Biedermeier" welche zunächst als kleinbürgerlich verspottet und um 1900 zum Stilbegriff einer eigenständigen Epoche wird.
Das Biedermeier besticht durch Schlichtheit und Einfachheit in Form und
Gestaltung. Vormals übliche Zier und Schmuckelemente fehlen. Mobil und zweckmäßig, aber beschaulich und gemütlich war der neue Stil. Um 1830 beginnt die Auflösung der strengen, klaren Formen. Man bedient sich zunehmend abgeschrägter, gerundeter oder im späteren Verlauf der Epoche auch gedrechselter Formen.

„Gründerzeit“, die Zeit zwischen der deutschen Revolution 1848/49 und der Reichsgründung 1866/71 bzw. der Zeitraum der Industrialisierung bis zum Börsenkrach 1873. Mitunter wird aber ebenso der Zeitraum nach 1871 (dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges) und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung, durch Französische Reparationszahlungen an Deutschland, als Gründerzeit bezeichnet.
Da in Fachkreisen die "Gründerzeit" keine anerkannte Stilepoche darstellt, werden unterschiedliche Zeiträume zwischen 1849 und 1914 definiert. Die Gründerzeit ist somit als eine Stilphase des Historismus zu betrachten.
Der Begriff Gründerzeit wird heutzutage häufig im Bereich antiker Möbel verwendet und beschreibt umgangssprachlich Stilmöbel die von 1849 bis 1914 gefertigt wurden.
Die regionalbedingten, gerade im ländlichen Bereich, zeitversetzt nur langsam ankommenden Neuerungen machen zeitlich klar abgrenzbare Stilepochen unmöglich. So findet man z.B. auf dem Land Biedermeiermöbel noch nach 1850 und in Ballungszentren Jugendstilmöbel bereits vor 1900.
Teilweise wurden ältere Möbel dem entsprechenden Stil durch Umbau angepasst.
Der Wohlstand des Bürgertums sollte auch den Möbelstil beeinflussen. Stile wie die Neogotik, Neorenaissance und der Neobarock wurden populär. Aufwendige teils überladene Details wie Aufsätze, Kronen, Diamantierungen, Muscheln, Baluster, Kannelierungen, Säulen, gedrechselte Beine etc. an den Möbelstücken waren Ausdruck dieses Wohlstands.
Obwohl Kommunikation, Infrastruktur, Bildung sowie Gleichberechtigung noch in den Kinderschuhen steckten, revolutionierten Eisenbahn, Aktiengesellschaften und durch die Industrialisierung möglich gewordenen Massenproduktionen die Gesellschaft grundlegend.

Jugendstil / Sezessionsstil (1896 - 20er Jahre des 20. Jahrhunderts) ist eine Stilepoche der Kunstgeschichte deren Namensgeber die 1896 in München gegründete Illustrierte "Jugend" war.
Als Jugendstil/ Sezessionsstil bezeichnet man diese Epoche nur im deutssprachigen Raum, Polen, Ungarn und den Nordischen Ländern. In Frankreich und Belgien findet man die Bezeichnung Art Nouveau, in Italien Liberty und in Nordamerika Modern Style.
Kunsthistorisch betrachtet gliedert sich der Jugendstil/Sezessionsstil zwischen Historismus/Grunderzeit und Moderner Kunst ein.
Der Jugendstil ist eher als eine Bewegung zu verstehen, die in Abkehr von traditionellen strengen und symetrischen Formen einen für damalige Zeiten modernen und neuen Stil anstrebte. Neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten wie geschwungene florale Ornamente auf Flächen und Appliktionen sowie die Aufgabe von Symetrie waren Programm. Man findet vor allem stark stilisierte Naturformen. Mit Ihren Entwürfen setzten Designer diese Ideen in allen Bereichen des täglichen Lebens wie Architektur, Kunstgewerbe und Gebrauchsgeräten um und setzten somit aus kunsthistorischer Sicht die Grundlagen der Moderne.

Designer/ Künstler (alphabetisch, um nur einige zu nennen) Émile Gallé, Josef Franz Maria Hoffmann, Gustav Klimt, René Jules Lalique, Paul Möbius, Karl Coelestin Moser, Alfons Maria Mucha, Bruno Paul, Louis Comfort Tiffany, Henry van de Velde

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